Ernst Lubitsch

Ernst Lubitsch

Namensgeber

 

Ein Berliner in Hollywood

Eigentlich war es vorgesehen, dass Ernst Lubitsch - der am 29. Januar 1892 in Berlin geboren wurde - irgendwann das Geschäft seines Vaters übernehmen würde. Der war Damenschneider, die Mutter Modedesignerin. So unterzog sich der Sohn jüdischer Eltern nach dem Besuch des Sophiengymnasiums einer Lehre als Stoffhändler.

Doch sein Herz schlug für etwas völlig anderes. Fasziniert von den Brettern, die die Welt bedeuten, begann er ein Doppelleben: Tagsüber arbeitete er im Geschäft seines Vaters und abends trat er als Schauspieler in Cabarets und Varietés auf. Bis er endgültig seiner wahren Leidenschaft nachging: Er wurde Schüler von Max Reinhardt und erhielt 1911 schließlich am Deutschen Theater ein Schauspielengagement.

Bereits ein Jahr später kam er mit dem Film in Kontakt - als Lehrling bei der Deutschen Bioscop GmbH. Er spielte in etlichen Filmkomödien wie „Der Stolz der Firma“ und „Ein verliebter Racker“ mit. Trotz seiner Erfolge als Komiker konzentrierte sich Ernst Lubitsch nach und nach immer mehr auf die Regie und drehte abwechselnd Komödien wie „Die neue Nase“ und „Schuhpalast Pinkus“ und Historiendramen wie „Anna Boleyn“ und „Das Weib des Pharao“.

1922 heiratete Ernst Lubitsch die Schauspielerin Helena Sonnet Kraus. Im gleichen Jahr emigrierte er in die USA und wurde von Hollywoods Superstar Mary Pickford als Regisseur für ihren nächsten Film engagiert. „Rosita“ sollte sein erster US-Film werden und der Beginn einer unvergleichlichen Karriere. Neben Monumentalwerken wie „Das verbotene Paradies“ und „Der Patriot“ drehte er weiterhin elegante Liebeskomödien wie „Lady Windermeres Fächer“ und „Küss mich noch einmal“.

 

Die unergründliche Leichtigkeit des Seins

Schon damals sprachen Kritiker vom berühmten Lubitsch Touch. Was für Alfred Hitchcock der MacGuffin, war dem Lubitsch sein Touch: Wenngleich der Ursprung seines Markenzeichens nie umfassend geklärt wurde und eine genaue Definition damit ausbleibt, gilt Ernst Lubitsch heute noch als unangefochtener Meister elegant-frivoler Gesellschafts-Komödien. Bekannt für seine leichtfüßigen Inszenierungen, in denen er Zensierungen von erotischen Zuspitzungen mit ironischen Doppeldeutigkeiten und wohl dosierten Handlungs-Auslassungen umschiffte, schuf er zeitlose Meisterwerke.

Auch schaffte Lubitsch der Übergang vom Stumm- zum Tonfilm und prägte bald mit Erfolgen wie „Ärger im Paradies“ und „Serenade zu dritt“ endgültig seinen eigenen Stil.

1935 heiratete Lubitsch ein zweites Mal, die britische Schauspielerin Vivien Gaye, die am 27. Oktober 1938 die gemeinsame Tochter Nicola Lubitsch zur Welt brachte. In den Dreißigerjahren Jahren gehörte Ernst Lubitsch zu den bedeutendsten Regisseuren Hollywoods. Er arbeitete mit Stars wie Greta Garbo („Ninotschka“), Marlene Dietrich („Engel“), Gary Cooper („Blaubarts achte Frau“) und James Stewart („Rendezvous nach Ladenschluss“).

 

Sein oder Nichtsein

Szenenfoto: Sein oder Nichtsein

©Studiocanal

 

Kein Lubitsch mehr

1942 sollte er seinen berühmtesten Film schaffen: „Sein oder Nichtsein“ (siehe Foto) - eine bissige Komödie, mit der er die Nazis parodierte. Mit seiner Chuzpe, auch ernste Themen in federleichte Unterhaltung zu kleiden, hatte Lubitsch unzählige Bewunderer gewonnen: Jean Renoir etwa, der in ihm den Erfinder des modernen Hollywood sah. Oder Frankreichs populärster Autorenfilmer François Truffaut, der den Lubitsch-Stil mit seinen Weglassungen zur Kunstform erhob: „Im Lubitsch-Emmentaler ist jedes Loch genial." Und natürlich der unvergessene Billy Wilder, einstiger Lubitsch-Assistent und Drehbuchautor von dessen „Ninotschka“, der die Technik seines Förderers anhand einer Filmszene resümierte: „Jeder hätte es anders gelöst, aber keiner hätte es so elegant, so witzig und so spannend fürs Publikum gemacht wie der Lubitsch.“

Vier Jahre nach „Sein oder Nichtsein“ erlitt Lubitsch einen Herzinfarkt und konnte seinen letzten Film „Die Frau im Hermelin“ nicht mehr selbst fertigstellen. Sein Kollege Otto Preminger sprang ein und vollendete das Werk. Am 30. November 1947 starb Ernst Lubitsch in Los Angeles nach einem weiteren Herzinfarkt.

Als er in Hollywood zu Grabe getragen wurde,  brachte Billy Wilder seine Trauer gegenüber Freund und Kollege William Wyler auf den Punkt: „Kein Lubitsch mehr." Die lakonische Antwort des „Ben Hur“-Regisseur: „Es ist ja noch schlimmer: Keine Lubitsch-Filme mehr!“

Das Grab von Ernst Lubitsch befindet sich auf dem Privatfriedhof Forest Lawn Memorial Park in Glendale, Kalifornien.