Peter Simonischek in Toni Erdmann

© Harry Stuhlhofer

Ernst-Lubitsch-Preis 2017 für Peter Simonischek alias „Toni Erdmann“

Am 29. Januar 2017 wäre Ernst Lubitsch 125 Jahre alt geworden. Zur Erinnerung an den großen Regisseur wird im Rahmen seines Geburtstags traditionell die beste komödiantische Leistung im deutschsprachigen Film ausgezeichnet. Die Wahl der Jury des CLUBs DER FILMJOURNALISTEN BERLIN e.V. fällt diesmal auf Peter Simonischek, der in der Rolle eines kauzigen Vaters in „Toni Erdmann“ besonders überzeugt hat. Die zeremonielle Verleihung des Ernst-Lubitsch-Preises am 29. Januar findet in Kooperation mit dem Babylon und in Anwesenheit des Künstlers im Babylon in der Rosa-Luxemburg-Straße 30, 10178 Berlin statt. Als Ehrengast wird auch die Tochter von Ernst Lubitsch, Nicola Lubitsch, bei der Gala zugegen sein.

Die Theaterwelt hat Burgschauspieler Peter Simonischek längst in ihren Olymp aufgenommen, seit kurzem feiert ihn auch das Kino: Mit der Darstellung eines kauzigen Klavierlehrers in Maren Ades umjubelter Tragikomödie „Toni Erdmann“ hat der 70-jährige Grazer späten Ruhm erlangt – und eine Glanzleistung abgelegt, die der CLUB DER FILMJOURNALISTEN BERLIN e.V., im nächsten Jahr mit dem Ernst Lubitsch-Preis würdigt.

Die Begründung der 20-köpfigen Jury: „‚Toni Erdmann‘ ist ein Juwel im deutschen Komödienallerlei, das trotz Überlänge keine Langeweile aufkommen lässt und bei aller Tragik einen komplizierten Generationenkonflikt mit humorvoller Leichtigkeit auflöst. Besonders glanzvoll unter der feinfühligen Regie von Maren Ade verkörpert Peter Simonischek die Titelrolle, einen alten Kauz mit Verkleidungstick, der nur vordergründig an manche Alter Egos von Loriot oder Hape Kerkeling erinnert, aber nie zu deren Karikatur verkommt. Simonischek gelingt es, hinter der Narrenmaske dieses nur äußerlich tumben Einfaltspinsels eine gelassene Weisheit aufblitzen zu lassen, mit der er wie ein moderner Til Eulenspiegel einer durchgetakteten Geschäftswelt den Spiegel vorhält. Wenn er mit Scherzgebiss und Zottelperücke seiner Manager-Tochter auf Schritt und Tritt durch Bukarest folgt, nur um ihr nahe zu sein, wie ein Schreckgespenst oft aus dem Nichts auftaucht und dabei mit entwaffnend-naivem Charme das große Chaos bei den zombiegleichen Workaholics auslöst, ist das rührend komisch und bewegend tragisch zugleich. Das macht ‚Toni Erdmann‘ zu einer der faszinierendsten und denkwürdigsten Kinofiguren der jungen deutschen Kinogeschichte“.

Der Ernst-Lubitsch-Preis ist nach dem gleichnamigen, 1922 in die USA emigrierten Berliner Regisseur (*29.01.1892), benannt, der Komödien-Evergreens wie „Ninotschka“, „Ärger im Paradies“ und „Sein oder Nichtsein“ schuf und 1947 starb. Die Idee, ihm zu Ehren einen Preis zu schaffen, stammt von Kollege und Oscar-Gewinner Billy Wilder. Unter den Preisträgern der seit 1958 vergebenen undotierten Trophäe finden sich Gert Fröbe, Katja von Garnier, Heinz Rühmann, Ursela Monn, Loriot, Sophie Rois, Mario Adorf, Christiane Hörbiger, Til Schweiger, Leander Haußmann, Katja Riemann, Dieter Hallervorden und zuletzt Anke Engelke.

Honig im Kopf

Szene aus „Toni Erdmann“: Peter Simonischek und Sandra Hüller © NFP marketing & distribution