Ernst Lubitsch Preis - Ernst Lubitsch Preis
Foto: Florian Schneider

Ernst Lubitsch Preis 2026

Wolfgang Becker

Der Club der Filmjournalisten Berlin e.V. hat entschieden: Regisseur und Autor Wolfgang Becker erhält für seine Tragikomödie „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ den Ernst-Lubitsch-Preis 2026. Erstmals in der Geschichte der renommierten Auszeichnung wird damit ein Gewinner posthum geehrt. Mit Dani Levy und Tom Tykwer übernehmen bei der im Sommer geplanten Gala zwei frühere Lubitsch-Preisträger die Laudatoren-Rolle.

In geheimer Abstimmung wählten die Mitglieder des Clubs Wolfgang Becker zum Ernst-Lubitsch-Preisträger 2026. Sein letzter Film „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“, dessen Fertigstellung und Premiere der Ende 2024 verstorbene Regisseur nicht mehr erleben durfte, überzeugte die Jury als herausragende deutsche Kinokomödie des vergangenen Jahres.

Die Laudatio halten die Ernst-Lubitsch-Preisträger Dani Levy („Alles auf Zucker“, 2005) und Tom Tykwer („Lola rennt“, 1999). Beide Regisseure sind langjährige Weggefährten Wolfgang Beckers, mit dem sie und Produzent Stefan Arndt zusammen 1994 die Produktionsfirma X Filme Creative Pool gründeten. Auch „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“, der im Dezember 2025 in die Kinos kam, stammt aus ihrer Herstellung.

Der Film nach dem gleichnamigen Roman von Maxim Leo zeigt Charly Hübner (Ernst-Lubitsch-Preisträger 2018) als mittellosen Berliner Videothekenbesitzer, der zum 30. Jahrestag des Mauerfalls versehentlich zum medial gefeierten Massenfluchthelfer der DDR stilisiert wird. Mit feinem Gespür für Situationskomik und ironischer Zuspitzung deutsch-deutscher Erinnerungskultur entwirft Wolfgang Becker – nach einem gemeinsamen Drehbuch mit Constantin Lieb – eine ebenso kluge wie sympathische Hochstapler-Ballade über Zufall und Zuschreibung, Individuum und Öffentlichkeit.

„Wolfgang Becker versteht es meisterhaft, Witz und Melancholie in eine feine Balance zu bringen, und Historie und Gegenwart auf unverwechselbare Weise zusammenzuführen“, so die Jury-Begründung des Clubs. „Mehr als zwanzig Jahre nach seinem internationalen Erfolg Goodbye Lenin! ist Beckers Held vom Bahnhof Friedrichstraße erneut ein geistreiches Kinoereignis, das deutsch-deutsche Geschichte mit federleichter Eleganz erzählt und nachdenkliche Töne mit pointiertem Humor über innerdeutsche Befindlichkeiten vereint. Mit der posthumen Auszeichnung für den Ernst-Lubitsch-Preis würdigen wir Wolfgang Beckers bleibende Bedeutung als präzisen Beobachter gesellschaftlicher Feinheiten und großen Komödienregisseur.“

 

Die Preisverleihung 2026 ist für den Sommer geplant. Weitere Informationen werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

 

Foto: Deutsche Kinemathek

Liebe Freunde des Ernst-Lubitsch-Preises,
der Vorstand des Clubs der Filmjournalistin Berlin möchte Stellung beziehen in einer Zeit, in der wir und unsere Mitglieder mit großer Sorge den sich schleichend wieder aufkeimenden und sich ausbreitenden Antisemitismus wahrnehmen. Und das nicht nur in unserem Land.
Ernst Lubitsch, dem zu Ehren seit 1958 der nach ihm benannte Preis verliehen wird, war ein Deutscher, ein Berliner, ein Jude und einer der bedeutendsten Regisseure der Welt. Er war kein Verfolgter des NS-Regimes, weil er bereits 1922 nach Hollywood immigrierte, aber er drehte 1942 mit „Sein oder Nichtsein“ die wohl kühnste, weil auch komische Abrechnung mit Hitler und seinen Schergen.
Dass die Nazis Millionen von Menschen vertrieben und ermordeten, hat Deutschland damals – auch künstlerisch – arm gemacht. Mit der Eliminierung jüdischer Kunst und des einzigartigen jüdischen Humors wurde unserem Land und seinen Bewohnern etwas genommen, was maßgeblich dazu beigetragen hatte, dieses Land um seine Bewohner zu charakterisieren, zu profilieren.
Um diese Wunde in der Nachkriegszeit zu heilen, hat der großartige Regisseur Billy Wilder, selbst Jude, 1957 die Idee zum Ernst-Lubitsch-Preis gehabt. Denn der Humor ist eine starke Waffe, um gegen Menschenverachtung und Extremismus anzukämpfen. In einem Land ohne jüdische Kultur, ohne jüdischen Humor wäre es einfach nur traurig, da möchte man nicht leben.
Auch deshalb hat der Ernst-Lubitsch-Preis eine so große Bedeutung für die Kinolandschaft und die Kultur im Allgemeinen. Er ist nicht nur ein Lebenswerk für das komödiantische Können hervorragender Künstler, sondern auch ein Zeichen der Aussöhnung und der Erinnerung, dass Menschen gut daran tun, gemeinsam zu lachen.