Ernst Lubitsch Preis - Ernst Lubitsch Preis
Foto: David Heerde

Ernst Lubitsch Preis 2026

Wolfgang Becker

Der Club der Filmjournalisten Berlin e.V. hat am 23. Juni 2026 im Babylon in Berlin-Mitte erstmals den Ernst-Lubitsch-Preis posthum verliehen.  Regisseur und Autor Wolfgang Becker (1954 -2024) erhielt ihn für seine Tragikomödie „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“, einen Tag nach seinem 71. Geburtstag.  Dani Levy und Tom Tykwer hielten gemeinsam die Laudatio. Beckers Witwe Susanne Petersen und seine Tochter Rike Link nahmen den Preis entgegen.

Zuvor wurde Beckers Lieblingsfilm von Ernst Lubitsch, „Sein oder Nichtsein“, gezeigt. Zum Schluss kamen viele seiner Weggefährten und Weggefährtinnen auf die Bühne, um zu gratulieren. Anwesend waren u.a. Stefan Arndt, Achim von Borries,  Daniel Kehlmann,  Maxim Leo, Thorsten Merten, Constantin Lieb, Bernd Fischer,  Lorenz Daniel, Leon Ullrich, Burkhart Klaußner, Lena Lazzarotta, Florian Lukas, Hans-Jürgen Pfeiffer, Bernd Lichtenberg, Anne-Gret Oehme, Thomas Wendrich, Scott Kirby, Claudia Eisinger, Titus Bewerunge, Jonas Kipp, Eva Löbau, Andreas Schreitmüller und Arndt Wiegering.

Mario Adorf beim Ernst-Lubitsch-Preis 2021, Foto: David Heerde

Abschied von Mario Adorf

Er war einer der größten Schauspieler des deutschen Films, der noch bis ins hohe Alter vor der Kamera stand. Nun ist Mario Adorf von uns gegangen und hinterlässt eine schmerzliche Lücke. Am 8. April 2026 starb er nach kurzer Krankheit im Alter von 95 Jahren in Paris.

Im Laufe seiner Karriere wurde er mit allen wichtigen Filmtrophäen bedacht, doch gern betonte er, dass ihm der Ernst-Lubitsch-Preis immer der liebste war. Diese Auszeichnung bekam er 1974 für seine komödiantische Leistung in „Die Reise nach Wien“ unter der Regie von Edgar Reitz.

2020 ehrte ihn der Club der Filmjournalisten Berlin e.V. ein weiteres Mal zu seinem bevorstehenden 90. Geburtstag am 8. September 2020 mit einer Hommage. Im darauffolgenden Jahr reiste er nochmals für uns nach Berlin, um Simon Verhoeven den Ernst-Lubitsch-Preis zu überreichen. Er blieb dem Club bis zu seinem Tod eng verbunden.

Wir, die Mitglieder, bedanken uns für seine Treue und verbeugen uns vor seinem filmischen Vermächtnis. Wir werden Mario Adorf vermissen und versprechen, sein Andenken stets in Ehren zu halten.

Foto: Deutsche Kinemathek

Stellungnahme

Liebe Freunde des Ernst-Lubitsch-Preises,
der Vorstand des Clubs der Filmjournalistin Berlin möchte Stellung beziehen in einer Zeit, in der wir und unsere Mitglieder mit großer Sorge den sich schleichend wieder aufkeimenden und sich ausbreitenden Antisemitismus wahrnehmen. Und das nicht nur in unserem Land.
Ernst Lubitsch, dem zu Ehren seit 1958 der nach ihm benannte Preis verliehen wird, war ein Deutscher, ein Berliner, ein Jude und einer der bedeutendsten Regisseure der Welt. Er war kein Verfolgter des NS-Regimes, weil er bereits 1922 nach Hollywood immigrierte, aber er drehte 1942 mit „Sein oder Nichtsein“ die wohl kühnste, weil auch komische Abrechnung mit Hitler und seinen Schergen.
Dass die Nazis Millionen von Menschen vertrieben und ermordeten, hat Deutschland damals – auch künstlerisch – arm gemacht. Mit der Eliminierung jüdischer Kunst und des einzigartigen jüdischen Humors wurde unserem Land und seinen Bewohnern etwas genommen, was maßgeblich dazu beigetragen hatte, dieses Land um seine Bewohner zu charakterisieren, zu profilieren.
Um diese Wunde in der Nachkriegszeit zu heilen, hat der großartige Regisseur Billy Wilder, selbst Jude, 1957 die Idee zum Ernst-Lubitsch-Preis gehabt. Denn der Humor ist eine starke Waffe, um gegen Menschenverachtung und Extremismus anzukämpfen. In einem Land ohne jüdische Kultur, ohne jüdischen Humor wäre es einfach nur traurig, da möchte man nicht leben.
Auch deshalb hat der Ernst-Lubitsch-Preis eine so große Bedeutung für die Kinolandschaft und die Kultur im Allgemeinen. Er ist nicht nur ein Lebenswerk für das komödiantische Können hervorragender Künstler, sondern auch ein Zeichen der Aussöhnung und der Erinnerung, dass Menschen gut daran tun, gemeinsam zu lachen.