Wolfgang Becker
Wolfgang Becker (1954 – 2024) ist der erste Künstler in der Geschichte des Ernst-Lubitsch-Preises, der posthum auszeichnet wurde. Die Jury würdigte damit nicht nur seinen letzten Film „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“, sondern ganz besonders das Gesamtwerk des am 22. Juni 1954 in Hemer, Nordrhein-Westfalen geborenen Filmemachers. Die Verleihung fand am 23. Juni 2026 im Babylon in Berlin-Mitte statt. Die Laudatio hielten zwei seiner engsten Wegbegleiter: Dani Levy (Lubitsch-Preisträger 2005) und Tom Tykwer (Lubitsch-Preisträger 1999). Die beiden gingen vor allem auf die menschliche Seite ihres Kollegen ein und berührten mit ihren Erinnerungen und Anekdoten das Publikum. Zusammen mit Produzent Stefan Arndt gründeten Tykwer, Levy und Becker 1994 in Berlin ihre gemeinsame Produktionsfirma X Filme Creative Pool. Drei Jahre später lieferte Becker seinen ersten Kinofilm unter dem X-Banner ab: „Das Leben ist eine Baustelle“ mit Christiane Paul und Jürgen Vogel (Lubitsch-Preisträger 2007). Zuvor inszenierte er bereits „Schmetterlinge“ (1988), die „Tatort“-Folge „Blutwurstwalzer“ (1991) und „Kinderspiele“ (1992). 2003 kam dann mit „Good Bye, Lenin!“ sein erfolgreichster Film in die Kinos. Weltweit spielte die Tragikomödie über einen jungen Mann (Daniel Brühl), der nach dem Mauerfall seiner aus dem Koma erwachten Mutter (Katrin Sass) vorgaukelt, die DDR würde immer noch existieren, knapp 80 Mio. Dollar ein. Becker besetzte Brühl erneut in seinem nächsten Film „Ich und Kaminski“ (2015) für die Hauptrolle. Nachdem Becker die Diagnose bekam, dass er schwer an Krebs erkrankt ist, erfüllte er sich den Wunsch, noch einen letzten Film zu realisieren: „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“. In der Jury-Begründung heißt es: „Wolfgang Becker versteht es meisterhaft, Witz und Melancholie in eine feine Balance zu bringen, und Historie und Gegenwart auf unverwechselbare Weise zusammenzuführen.“ Den Lubitsch-Preis nahmen Beckers Witwe Susanne Petersen und seine Tochter Rike Link entgegen. Zum Schluss kamen mehr als 30 Beteiligte seiner Filme vor und hinter der Kamera auf die Bühne, um ihre Hochachtung für einen der prägendsten Regisseure nach der deutschen Wiedervereinigung auszudrücken.
Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
Obwohl er kurz vor der Pleite steht, hält Micha (Charly Hübner) an seiner Videothek fest. Plötzlich steht ein Reporter (Leon Ullrich) in seinem Laden und behauptet, Micha hätte in der DDR 127 Bürger zur Flucht in den Westen verholfen. Damals war der Videothekar am Bahnhof Friedrichstraße Weichensteller, aber es war eher ein Missgeschick als eine Heldentat. Doch nun wird er dafür gefeiert, und Micha lässt es geschehen. Bis er sich in Paula (Christiane Paul) verliebt. Maxim Leo lieferte mit seinem gleichnamigen Roman die Vorlage. Wolfgang Becker starb kurz nach den Dreharbeiten am 12. Dezember 2024. Achim von Borries vollendete das Werk nach Beckers Vorgaben. Im Film treten etliche Stars aus Beckers früheren Filmen in Nebenrollen auf, u.a. Christiane Paul („Das Leben ist eine Baustelle“), Daniel Brühl („Good Bye, Lenin“) und Jürgen Vogel („Blutwurstwalzer“). Am 11. Dezember 2025 kam „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ schließlich in die deutschen Kinos und wurde vor allem von der Kritik als komödiantisches Meisterwerk gelobt.
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