Otto Sander
Otto Sander hatte eine unvergleichliche Stimme. Knarrend, ein wenig nölend, und obwohl aus Hannover stammend, unverkennbar berlinerisch. In den letzten Jahren bis zu seinem Tod am 12. September 2013 haben wir ihn mehr gehört als gesehen, denn Krankheiten hatten ihn aus dem Verkehr gezogen. Bekannt wurde der am 30. Juni 1941 geborene Schauspieler durch „Nicht fummeln, Liebling“ von May Spils und Werner Enke (Lubitsch-Preisträger 1970), „Die Marquise von O.“ (1976) und „Die Blechtrommel“ (1979). Durch „Das Boot“ (1981) wurde er international bekannt, unvergesslich bleibt sein Engel Cassiel aus Wim Wenders „Der Himmel über Berlin“ (1987). In „Der Bruch“ von Frank Beyer (Lubitsch-Preisträger 1990) spielte er einen Bankräuber. Seine Karriere begann am Theater. In Düsseldorf debütierte er, aus Heidelberg wurde er von Claus Peyman an die Freie Volksbühne Berlin berufen. In Berlin blieb er, die Stadt wurde seine Spielwiese. Einst wollte er Regisseur werden, seinem Vater zuliebe studierte er auch Germanistik, Literatur, Kunst und Philosophie. Der Eindruck des Grüblers und dennoch Bonvivants mag sich bereits damals begründet haben. Ein Glas Wein, eine Zigarette und stets ein kluger Spruch auf den Lippen – das passte zu Sander.
Am 29. Januar 1982 bekam er für seine ihm auf den Leib geschriebenen Rolle in „Der Mann im Pyjama“ den Ernst-Lubitsch-Preis. Die Laudatio hielt der damalige Berliner Kultursenator Wilhelm Kewenig (†58, Foto rechts). Verheiratet war Sander mit der Schauspielerin Monika Hansen. Viele dachten, die Kinder Ben und Meret Becker, die sehen dem Otto aber ähnlich, vor allem der Ben mit seinem rötlichen Haar. Aber mitnichten, Sander war ‚nur‘ der Stiefvater. Das tat den Familienverhältnissen aber keinen Abbruch, vor der Kamera standen Otto, Ben und Meret gemeinsam für „Comedian Harmonists“ (1997) vor der Kamera. Dinos wie Sander gibt es kaum noch: Seine feine Art, den Berliner zu geben, denn zum Berliner-Sein gehört eine gewisse Lässigkeit, Nonchalance, Verletzlichkeit und Witz. Und so ein leicht schiefer Blick wie aus Sanders müden, ewig hellblauen Dackelaugen.
Der Mann im Pyjama
In der Slapstick-Komödie von Christian Rateuke und Hartmann Schmige taumelt Sander als Rudi aufgrund der Verkettung unglücklicher Umstände durch das Berlin von 1981, obwohl er doch nur schnell Zigaretten holen wollte. Auf der Straße gerät er wegen einer demolierten Autoscheibe mit der Polizei in Konflikt, kann aber fliehen. Dabei landet er zufällig bei der aufreizenden Bärbel (Elke Sommer, Foto links), die mit dem Polizeikommissar Harry Lachmann (Peter Fitz) verheiratet ist. Als der nach Hause kommt, glaubt er natürlich, Rudi wäre der Liebhaber. Beide prügeln sich, die Polizei kommt und weil Harry ebenfalls Bart und Pyjama trägt, wird er als der gesuchte Randalierer abtransportiert.
„Der Mann im Pyjama“ spielt mit Elementen einer typischen Verwechslungskomödie und entstand im Frühjahr 1981 ausschließlich im nächtlichen West-Berlin. Am 18. Dezember 1981 kam der Schwank in die deutschen Kinos. Das gleiche Team drehte anschließend „Wer spinnt denn da, Herr Doktor?“ mit Loriot in einer Nebenrolle als Filmstar.