Josef Hader
Komödie ist nicht etwa nur Tragödie plus Zeit, wie man weiß, sondern vor allem eines: Sinn für Timing. Ernst Lubitsch hatte das verinnerlicht, Lubitsch-Preis-Initiator Billy Wilder sowieso. Und Lubitsch-Preisträger Josef Hader. Am 29. Oktober nahm der Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler im Babylon in Berlin-Mitte den Ernst-Lubitsch-Preis 2025 für seinen Kinofilm „Andrea lässt sich scheiden“ in Empfang. Und wies in seiner Dankesrede erst einmal darauf hin, dass auch „so bedeutende Preise wie dieser“ jedes Jahr vergeben werden müssten, es also hier und da auch ‚Halbwürdige‘ erwische. Vielleicht habe er die Auszeichnung aber ein bisschen auch verdient, weil er seit Jahren mit seinen Satireprogrammen nach Berlin komme, so der 1962 im oberösterreichischen Waldhausen geborene Kabarettist augenzwinkernd. Und besonders freue er sich über die Statue, weil man sich gar keine Vorstellung davon mache, wie hässlich Kabarettpreise sein könnten. „Ich hätte mit viel gerechnet, aber damit nicht.“ Hader war dann ganz baff, als der streng geheim gehaltene Laudator die Bühne betrat, auch er ein Lubitsch-Preisträger: Gerhard Polt erhielt den Preis 1984 für seinen Film „Kehraus“ und bekannte gleich zu Anfang, er sei heute „fast genauso erregt“ wie damals. Hader wiederum erinnerte sich, wie er in einem Wiener Kino „Kehraus“ gesehen und gedacht habe, „das wäre das Allergrößte, wenn ich mal in sowas mitspielen könnte!“ Und erinnerte an Polts immer noch gültige Aussage, nach der sich jeder Preis unerbittlich seinen Preisträger suche.
Auf der Bühne – und der Aftershow-Party später im Hotel AMANO – feierten frühere Lubitsch-Preisträger wie Ursela Monn (1985), Peter Timm (1987), Leander Haußmann (2010), Henry Hübchen (2014) und Radek Wegrzyn (2024) zusammen mit den Regisseuren Volker Schlöndorff und Detlev Buck und Schauspielern wie Roman Knizka und Milena Dreißig den mehr als willkommenen Neuzugang aus Österreich. Denn jetzt ist schon wieder was passiert, wie es in Haders kultverdächtigen Brenner-Krimis heißt.
Andrea lässt sich scheiden
Was man an seinem Geburtstag eigentlich feiere, so die Frage zu Anfang. „Na, dass du in dem Jahr nicht gestorben bist.“ Polizistin Andrea (Birgit Minichmayr), die sich scheiden lässt, hat ihren Schon-Ex Andy (Thomas Stipsits) längst verlassen, aber der macht immer noch jeden Morgen Kaffee für sich und Tee „mit Milch“ für sie, den er anschließend wegschüttet. Man merkt, Andy ist mit der Trennung nicht wirklich durch. Weshalb er sich besoffen ins Auto setzt und kurz darauf tot auf der Straße liegt, scheinbar überfahren vom Franz (Josef Hader), Religionslehrer und trockener Alkoholiker. Der nimmt seine Schuld fast freudig an: „Ich will büßen!“ Was daraus folgt, kriegt nur ein Könner wie Josef Hader hin. Mit untrüglichem Gespür für Timing baut er Miniaturen des Alltags mit liebenswert störrischen Protagonisten und seltsamer Kunst im Kreisverkehr, voller Verzweifelter, Verlassener und (noch nicht) Verstorbener. Wo im Hintergrund Mähroboter ihre Bahn ziehen und Menschen im Vorbeiwalken „Beileid“ wünschen. Fast wie im richtigen Leben.
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